Royal Nationalpark, Sydney

Nachdem wir uns einen Tag in Sydneys Trubel aufgehalten haben, planten wir für den folgenden Tag einen Ausflug in den Royal Nationalpark. Er ist der zweitälteste Nationalpark der Welt. Weiß jemand, welcher der älteste Nationalpark der Welt ist?

Das recherchierte ich natürlich, als ich las, dass der Royal NP an zweiter Stelle steht.
Auf Nummer eins liegt der Yellowstone NP in den USA. 😁​

Wir fuhren ungefähr 1,5 Stunden und waren immer noch in Sydney, obwohl man sich vorkam, als wäre man schon bis sonst wohin gefahren.
Sydney ist ungefähr so groß wie 5,5 Mal Berlin und wird nach Schätzungen diesen Sommer auf 6,8 Million Einwohner kommen.

Das gute Wetter vom Vortag sollte uns bis auf Weiteres verlassen.
Der Tag war wolkenverhangen und es regnete bereits als wir aufstanden. War uns egal, wir wollten wandern. 🥾

Unser Hauptziel führte über eine circa dreistündige Wanderung zu den Figure Eight Pools, natürliche Steinpools, die in perfekter 8 Form oder kreisrund geformt sind.
Sie können bei Ebbe besucht werden und es kann aufgrund ihrer Größe sogar darin geschwommen werden. 😁​
Da es sehr stürmisch war, ahnten wir allerdings schon, dass wir unser Ziel nicht erreichen würden und Badewetter konnte man das jetzt auch nicht nennen. 😅

Die Pools liegen dort, wo der Pfeil hinzeigt. Wenn ihr auf das rechte Ende vom Strand achtet, beginnt auf dem Boden felsiger Bereich. Auf dem vorderen sichtbaren Felsenabschnitt, hielten wir uns auf.

Es gibt im Internet eine Vorhersage für den Wellengang an dieser Stelle.
Wir wussten zu diesem Zeitpunkt nicht, dass die Natur an den Pools schon mehrere Menschenleben genommen hat.
Immer wieder werden Vorhersagen und eine Tafel, die ein Foto zeigt, wie die Wellen aussehen, wenn man NICHT zu den Pools gehen soll ignoriert.
Als wir da waren, zeigten sich auf jeden Fall genau diese Wellen und für uns war klar, dass wir nicht zu den Pools gehen.

Wir kraxelten bereits die glitschigen Steine entlang als uns plötzlich jemand entgegenkam.

Dieser jemand war ein Kanadier (vllt. Mitte 40), der ganz offensichtlich unter Schock stand.
An seinem Knie klaffte eine tiefe, lange Schnittwunde, am ganzen Bein lief das Blut herunter.
Er war komplett nass, die Haare und die Kleidung wild und alles voller Sand.

Er sah uns und sprach uns sofort an, er sagte, wir sollten auf gar keinen Fall zu den Pools gehen, er kommt gerade von da.
Er wurde von einer der Wellen erwischt und auf das offene Meer hinausgezogen.
Der Mann beschrieb uns, wie er mehrere Minuten um sein Leben kämpfte und komplett unter Wasser immer wieder hin und hergewirbelt wurde.
Er sagte: „It was the most intensive moment of my life“.
Auch wenn er das alles so erzählen konnte, merkte man ihm an, wie sehr er neben sich stand und überhaupt nicht realisieren konnte, was eben passiert ist.

Kim und ich standen da und wussten gar nicht wirklich, was wir sagen sollten.
Meine Intention war natürlich diese Wunde irgendwie zu versorgen, aber natürlich hatten wir absolut nichts dabei.
Vielleicht auch mal eine Überlegung wert, dachte ich mir im Nachhinein.
So ein kleines Notfallkit?! 🤔
Wir redeten noch kurz mit ihm, fragten ihn, ob wir ihm irgendwie helfen können, aber er hörte unsere Frage gar nicht, wahrscheinlich vor Aufregung.
Ich war froh, dass wir ihm wenigstens zuhören konnten und er ein kleines aber unmittelbares Gespräch über das Erlebte haben konnte.
Ich war nach dieser Begegnung irgendwie selber total auf Adrenalin und war froh, dass ich das ganze nicht noch mit ansehen musste. ​👀
Wären wir dabei gewesen, hätten wir einfach nichts tun können. 😰
Übrigens wird auch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es keinen Empfang gibt und man nicht mal Hilfe rufen kann im Notfall.

Umso vorsichtiger verhielten wir uns nun als wir im „Vorbereich“ ankamen.

Die kleine Welle, die auf dem Bild zu sehen ist, stellt wirklich nur einen Bruchteil der Größe dar, die die da erreichen können.
Als wir das Aufprallen der Wellen und das darauffolgende Verteilen der Wassermassen auf den Felsen sahen, war uns klar, wie einfach und schnell einen das erfassen würde, wenn man die Regeln missachtet.
Ganz abgesehen vom Rutschfaktor auf dem nassen, glatten Stein.

Es war fast hypnotisch dem Ozean bei seinem vom Wind getriebenen Tanz zuzusehen.
Die Wellen sahen unberechenbar, kalt, schnell und erbarmungslos aus und ich dachte noch einmal an den Mann und was er für ein Glück gehabt hatte.

Nun war es an der Zeit, den Aufstieg zu beginnen. Alles, was wir herunter gelaufen sind, wollte nun wieder erklommen werden. 😁​
Ich habe mir übrigens vorgenommen, mehr Bilder von Kim im Blog zu haben.
Was dann dabei heraus kommt, wenn ich Fotos von ihm machen will?
Seht selbst.. 😂


2 Antworten zu „Royal Nationalpark, Sydney“

  1. Avatar von Monika
    Monika

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  2. Avatar von Vivi
    Vivi

    Vielen Dank, dass die tragische Wellen-Story mit Kims wundervollen Bildern abgerundet wird 😂🫶

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