Leute, Leute, Leute.. Ich würde gerne mal einen richtig tollen und positiven Eintrag schreiben aber irgendwie kommt es auf Grund der Dinge, die hier passieren einfach nicht dazu. Bisher viben wir echt nicht mit Nicaragua. Klar, es ist nicht alles schlecht aber kaum ist man mal kurz zufrieden, kann man sich drauf einstellen, dass wieder irgendetwas Vernichtendes passiert.
Das Gute ist, dass wir ja nun zumindest am Meer sind. Genau genommen auf der Pazifikseite nahe der Grenze zu Honduras, immer noch ziemlich weit im Norden.
Unsere Unterkunft hier ist sehr versteckt und nur schwer zu erreichen aber wir haben es geschafft und uns gefiel es hier sehr gut.


Einen Tag wollten wir nutzen, um im Nationalpark den dazugehörigen Vulkan zu erklimmen. Als wir gerade ein paar Meter fuhren, hörte ich ein seltsames Geräusch. Das klang verdächtig nach einem platten Reifen… Uuuund Überraschung. Es war mal wieder so weit. In Costa Rica ereilte uns ja bereits das gleiche Schicksal. Ein Glück war Kim nun schon geübt im Wechsel.

Das hieß natürlich, dass wir nicht mehr zum Vulkan fahren konnten. Einerseits soll man einen Ersatzreifen ja nicht lange befahren und andererseits war die Gefahr viel zu hoch, noch einen Platten zu bekommen.
Ich rief bei unserem Vermieter Sixt an und die sagten mir, dass wir den Reifen in jeder Sixt-Filiale reparieren lassen könnten.
Kurzer Blick auf Maps, nächste Filiale 2 Stunden entfernt. Sehr gut dachten wir uns, das geht ja noch. Also los.
Noch eine kurze Randinfo, die später wichtig wird. Bevor wir los fuhren, teilten wir der Dame vom Hotel mit, dass wir heute keinen Zimmerputzdienst möchten. Am Tag davor hatte dieser nämlich meine Schuhe auf den Tisch gelegt (WTF?! 😤) und mein Kissen auf dreckige Wäsche gepackt…
Als wir in dem Gebiet ankamen, in dem Sixt sein sollte, beschlich mich wegen der Erscheinung der Umgebung ein ungutes Gefühl und ich sagte zu Kim, dass hier nie und nimmer ein Sixtladen ist. Ich sollte Recht behalten. Weit und breit kein Sixt. Wir wussten, dass das nächste Sixt jenes in der Hauptstadt war, bei dem wir das Auto auch abgeholt hatten. Dies bedeutete weitere 2,5 Stunden Fahrt. Praktisch einmal quer durchs Land von unserem Ausgangspunkt am Morgen.
Die Stimmung war echt am Tiefpunkt angelangt, gestresst kamen wir bei Sixt an. 😮💨
Wir hatten uns unterdessen überlegt, wenn wir schon mal da sind, ein neues Auto mit Allradantrieb zu mieten. Wir setzten uns ein Preislimit von 300€.
Aber erstmal fuhren wir mit dem Sixtmitarbeiter zu einer Werkstatt an der Hauptstraße, wo dann der kaputte Reifen geflickt wurde. Zwei Schrauben steckten darin.

Wir saßen zwar währenddessen im Auto, aber der Kofferraum war offen. Es war heiß, es war grölend laut und hektisch, überall hupten Autos und nebenbei telefonierten wir mit der Sixtzentrale, die uns einen Allradwagen vermittelte. Der Mann erklärte uns, dass es 660$ zusätzlich zu dem, was wir bereits für das aktuelle Auto bezahlt haben kosten würde.
Mit wilden Zeichen an Kim winkte ich sofort ab. 660$? Niemals!
Ich hörte nur wie Kim irgendetwas von „discount?“ in das Telefon rief und er kurz darauf für 600$ einwilligte.
Anschließend sah ich, wie der Werkstattmann uns den dürftig geflickten Reifen wieder heranmontierte. Hätten wir dieses Auto behalten, wäre ich aus dem Wagen gesprungen und auf die Barrikaden gegangen. Wie lange sollte der denn halten?
Naja, nicht mehr unser Problem. Zurück zu Sixt ging alles total schnell. Wir schauten uns ganz kurz das Monster von Auto an (nun wusste ich, warum der Mann am Telefon die ganze Zeit von „Truck“ geredet hat) räumten unsere Sachen um, eine Unterschrift und Tschüß.

Endlich Allradantrieb! Wuhu 😬 Das Auto war mega dreckig von Innen und die Schlüssel sahen auch komisch aus, was Kim vermuten ließ, dass wir einen Privatauto bekommen haben. Mir war mittlerweile alles egal, ich wollte einfach nur wieder zurück ins Hotel. Es lagen ja nur 4,5 Stunden Rückfahrt vor uns und das im Dunkeln. Hier in Nicaragua gefährlich, weil nicht alle Autos und Motorräder Licht haben. Straßen sind hier unbeleuchtet, also kann man sich ungefähr vorstellen, wie schlecht man die anderen Fahrer sieht. Dementsprechend schrecklich war die Rückfahrt und ich als eh schon sehr ängstliche Beifahrerin stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch.
Endlich unversehrt aber erschöpft im Hotel angekommen, schließen wir die Tür auf und es wurde entgegen unserer Bitte doch „sauber gemacht“. Ich bin soooo ausgerastet. Das Fass war dermaßen übergelaufen und ich schrie die halbe Anlage zusammen.
Am Tag darauf versuchte Kim mich zu überzeugen, unseren Ausflug zum Vulkan noch mal zu starten. Mir wog der Vortag aber noch zu schwer und ich hatte keine Lust oder Motivation auch nur eine Sekunde im Auto zu verbringen. Ende des Liedes – Ich ließ mich breitschlagen.
Endlich konnten wir unseren 4×4 Antrieb nutzen.


Das Gebiet war sehr verlassen, wir waren bis auf ein paar verstreute Bauern und Herden die einzigen. Wir fingen an zu wandern und hörten wie sich ein Pferd näherte. Darauf saß ein Typ mit einer Machete in der Hand, der uns offensichtlich nachritt, vielleicht um zu schauen was wir machen?
Da der Weg nicht gerade breit und von dichtem Gebüsch begrenzt wurde, war für mich nicht ersichtlich, was sonst der Grund für den Reiter sein sollte, aus dem Nichts bei uns aufzutauchen.
Er stieß total komische Geräusche aus und ritt langsamer auf unserer Höhe, musterte uns. Kim grüßte den Typen ziemlich selbstbewusst und ich dachte gut, evtl. lockert das ja die Stimmung, aber der Typ machte keine Anstalten den Gruß zu erwidern.
Ich sagte zu Kim, dass ich mega Angst hatte, aber er spielte es herunter und ich war sauer deswegen. Später erfuhr ich von Kim, dass er selber Angst hatte, mir diese aber nicht zeigen wollte. Nicht, dass ich noch in Panik geraten würde. Äh? Zu spät!
Wir kamen so oder so nicht weit, denn kurz nach dem der Reiter wieder zu uns kam, packten mich heftige Magenkrämpfe und wir mussten abbrechen. Also tschau Ausflugsversuch Nummer zwei und hallo Magen-Darm Virus.
Die nächsten Tage war ich ausgeschaltet, weitere Aktivitäten fielen flach. 😓 Nun auch noch krank – Super. Seit dem lautet unser Motto hier –> Denke nie, es könnte nicht noch schlimmer kommen. 😅
Zwei Tage nach dem Autowechsel rief Sixt uns an, was mein Bauchgefühl nicht unbedingt verbesserte. Der Typ fragte wo wir gerade seien und stammelte die ganze Zeit herum und ich fragte mich, was jetzt wieder für ein Unheil kommen würde.
Sixt aus der Hauptstadt wollte unser Auto austauschen. Kurz bevor ich alles kurz und klein gehackt hätte, weil es so klang, als müssten wir kommen, sagte er, ein Mitarbeiter würde das neue Auto zu uns fahren und das andere mitnehmen. Puh, das war knapp. 😅


Da war es also, unser drittes Auto in 1,5 Wochen. Der Mitarbeiter schaute übrigens doof aus der Wäsche, als er unseren roten Truck sah und schaute verdutzt in seine Unterlagen. Es stellte sich heraus, dass er unser erstes Auto erwartet hat. Ne, sorry also da kommen Sie zwei Autos zu spät. Bei Sixt läuft´s richtig. 😂
Auf Nachfrage, wieso das Auto getauscht wird, wusste er keine Antwort, was wir ihm nicht ganz abnahmen. Die Annahme, dass der rote Truck ein Privatwagen war, bestätigte sich nicht nur damit, sondern auch im Aussehen des neuen Autos. Der war gepflegt und sauber von Innen, hatte Sixtaufkleber und die Schlüssel waren ebenfalls andere. Der rote Truck war definitiv kein Mietwagen.
Wir sind mittlerweile die Küste weiter Richtung Süden herunter gefahren und nach knapp einer Woche hatte ich mich von dem Magen-Darm Virus erholt. 💪


















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