Nachdem unser Plan voll aufgegangen war, in der kleinen Stadt Antigua erstmal ein Gefühl für Guatemala zu entwickeln, planten wir die Fahrt zum eigentlichen Ziel.
Der Lago (See) de Atitlán liegt gute 95km von Antigua entfernt. Geht ruck zuck könnte man denken. Aber nicht in Guatemala. Das Straßennetz ist schlecht ausgebaut und nur ca. ein Viertel der Straßen sind richtig befestigt. Oft führen die Wege an tiefen Schluchten und Tälern vorbei, ohne dass man eine Leitplanke o.ä. hat.
Um die Strecke zum Lago zurückzulegen braucht man gute drei Stunden.

Dass der Bus unklimatisiert und mehr als vollbesetzt war, ist ja fast überflüssig zu erwähnen oder 😅
Teilweise wurde die Strecke im halsbrecherischen Tempo befahren und man musste die Fenster wegen des zu starken Windes schließen, manchmal gab es Stau und man wurde in der Hitze gebraten. Auf der „gefährlichsten Strecke des Landes“ wie es heißt, gab es mehrere bewaffnete Kontrollen durch die Polizei auf den Straßen. Man wusste nicht genau, ob man sich jetzt sicher oder unsicher dadurch fühlen sollte.
Ergab eher ein komisches Bild. Der Weg barg aber auch noch ganz andere Hürden, wie z.B. ein Abschnitt, der bergauf führte und dann so schmal wurde, dass er einspurig war.
Es passierte was passieren musste. Als wir uns nach oben kämpften (und der Motor keuchte eh schon bei mehr als 30kmh) kam uns eine Art Baustellenfahrzeug entgegen.
Ein kurzes Murmeln ging durch den Bus und alle Insassen glotzten nur so nach vorne, was nun geschehen würde.
Das Baustellenfahrzeug fing an zurückzusetzen und fuhr den Weg wieder zurück und wir vorwärts. Das ging so lange, bis die Strecke breit genug war, dass wir passieren konnten. Beide Fahrer hupten sich noch freundlich an, man nickte sich zu und jeder fuhr in seine Richtung weiter. Aha – so laufen die Dinge in Guatemala also dachte ich mir.
Als die Talfahrt begann und quasi nichts mehr außer Toter Winkel übrig war, wusste ich nicht, ob ich die Augen zukneifen oder rausgucken sollte. Ich entschied mich fürs Rausschauen, damit ich ja alles unter Kontrolle habe 😂
Bevor der Fahrer in eine enge Kurve ging, die wieder nur für ein Auto gemacht war, hupte er, weil man ja schließlich nichts sehen konnte. Beim Abbiegen dann war die Schnauze des Busses schon halb über dem Graben, der hunderte Meter runter ins Nichts Führte. Dann plötzlich endete die Fahrt, mitten auf der Strecke und wir bekamen unser Gepäck, denn der Weg ging nun mit dem TukTuk weiter.

Man mag es kaum glauben aber in dieses Ding passten zwei 20 Kilo Koffer plus Kim, ich und der Fahrer. Es war zwar eng und das Gefährt kam eh schon kaum voran aber es ging.
Er brachte uns direkt vor die Tür unseres neuen Heimes „Casa Jaguar“. Airbnb.
Die beiden Hosts waren Meghan aus Kanada und Marlon aus Nicaragua, beides Freiwillige, die dort leben und sich um die Airbnb-Vermietung kümmern, während der eigentliche Besitzer selber ständig auf Reisen ist.
Das Casa Jaguar war ein wunderbarer Ort. Wie der Großteil der Häuser am Lago de Atitlán, liegt auch dieses an einem Hang mitten in der Natur. Um hochzugelangen brauchte man eine Menge Ausdauer und Zeit. Es sei denn man fuhr TukTuk. 😀

Es gab mehrere Zimmer und alles in einem ergab eine große Ökogemeinschaft. Die Gemeinschaftsküche war vegetarisch und viele der anderen Gäste waren irgendetwas zwischen Superöko und Hipster. Naja sagen wir Ökohipster, die ohne Schuhe durchs Leben gehen und versuchen den Weltfrieden heraufzubeschwören.
sküche war vegetarisch und viele der anderen Gäste waren irgendetwas zwischen Superöko und Hipster. Naja sagen wir Ökohipster, die ohne Schuhe durchs Leben gehen und versuchen den Weltfrieden heraufzubeschwören.

Ein Teil der Terrasse, von der man gute 20 Meter in die Tiefen des Dschungels hinunterschauen konnte.

Zum Haus gehörte außerdem ein Meditationsraum der spektakulär war. Ausgestattet mit einem riesen Panoramafenster und hochgelegen hatte man Ausblick auf den See, die Vulkane und den Dschungel. Wir waren mit Meghan und Marlon direkt auf einer Wellenlänge, was unter anderem daran lag, dass die beiden Techno hören und Marlon (wie Kim nun auch) selbst Techno spielt. Wir verbrachten gleich den Abend unserer Ankunft alle zusammen in dem besonderen Raum.

San Marcos, so heißt das Dorf in dem wir waren. Das Leben spielte sich „unten“, quasi wenn man den Hang hinab geht. Es war klein, verschlafen, voller Ökohipster und man konnte es innerhalb einer Stunde zu Fuß erkunden.


Mein Lieblingsplatz, war der Platz unten direkt am See. Er hatte etwas magisches und wir gingen jeden Tag runter, entweder um dort zu essen oder einfach Zeit zu verbringen.


Am zweiten Abend fand eine Hostelparty am Wasser statt. Wir zogen zu viert los und hatten einen coolen Abend. Einen Teil der Zeit saßen wir auf dem Steg über dem Wasser unter den Sternen und haben gequatscht. Zum Schluss haben wir auch noch getanzt und das neben sämtlichen Straßenhunden, die auf der Tanzfläche herumliefen. Ein großer Schäferhund machte direkt neben der fetten Box Sitz und chillte. 😂
Kim und ich stellten uns vor, wie es wohl wäre wenn im Sisy Hunde durch die Hammahalle rennen würden 😆
Am kommenden Abend luden uns Meghan und Marlon zum Essen im Meditationsraum ein. Das Essen war natürlich vegetarisch und vegan. Alles selbstgemacht von den beiden und es hat uns sehr gut geschmeckt. Lediglich der Schokoladenpudding, der aus Avocado und irgendetwas gemacht war, dass wie Schokolade schmecken sollte, überzeugte mich nicht.

Einen Nachmittag gab mir Meghan im Raum eine Yogastunde mit allem drum und dran.
Ich bin froh zu sagen, dass ich es probiert habe. Klar der Ausblick, die passende Musik dazu und Meghans Stimme, die klang als wäre sie in Trance.. Hat schon alles gepasst aber mein Ding wird Yoga auf jeden Fall nicht. 😅
Und da wir ja sowieso bereits durch die ganzen Leute um uns herum auf dem Ökotrip waren, kaufte ich mir auf Empfehlung zwei Kräutertees unten im Dorf gegen meine Blasenentzündung, die ich seit NY hatte und auch mit einwöchiger Antibiotikabehandlung nicht losgeworden bin. Nach zwei Tagen Tee war sie weg.
Und da Marlon auch was von meinen starken Rückenschmerzen mitbekommen hatte, gingen wir den Hang hinauf Mangoblätter pflücken, kochten diese ein, tränkten ein Handtuch darin und ich behandelte die Stelle damit. Außerdem gab Meghan mir zwei Heilsteine, die ich auch auf die Stelle legen sollte. Am Tag unserer Abreise war ich fast beschwerdefrei.
Its magic 😀
Die Tage flogen nur so dahin und wir verbrachten einen Großteil der Zeit mit Meghan und Marlon oder waren unten am See.
Zum Schluss möchte ich noch erwähnen, dass die Dorfbewohner hier sehr freundlich waren. Die Menschen hier leben meist in Wellblechhütten und dennoch wurden wir von fast allen freudig gegrüßt im Vorbeigehen und besonders Kinder waren hier fröhlich und freundlich. Weit und breit keine Todesblicke mehr, geschweige denn bewaffnete Wächter. Das einzige Problem, das wir tatsächlich hatten war, dass Guatemala sehr kalt war. Ich trug selten eine kurze Hose und abends dann zwei Pullis und zwei Hosen übereinander, geschlafen wurde mit dicken Socken.
Rückblickend kann ich sagen, dass der Lago de Atitlán auf jeden Fall eines meiner Highlights war. Es herrschte eine gewisse Aura an dem See. Schwierig für diejenigen zu beschreiben, die selbst nicht da waren. Es hatte etwas magisch- mystisches und war wunderschön.



















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